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Datenschutz & Mitbestimmung

SentryMail bringt einen Datenschutz- und Mitbestimmungsmodus mit. Er ist Bestandteil des Open Core und kostet nichts extra: Datenschutz, den man erst dazukaufen muss, überzeugt weder Personalrat noch öffentliche Verwaltung.

Der Modus beantwortet die Frage, die in jeder Einführung zuerst kommt: Kann der Administrator sehen, wer geklickt hat? Bei aktivem Modus lautet die Antwort nein — nicht als Zusage, sondern technisch erzwungen.

Auswertungen, die einzelne Personen benennen, werden vom Server abgelehnt — nicht in der Oberfläche ausgeblendet. Auch ein Administrator kommt nicht daran vorbei.

Ansicht Verhalten im Modus
Empfängerliste einer Kampagne leer, mit Sperrhinweis; die Kennzahlen bleiben sichtbar
Sitzungsverlauf eines Empfängers gesperrt
CSV-Export der Ergebnisse gesperrt (besteht ausschließlich aus Personenzeilen)
Dashboard „Auffällige Empfänger” gesperrt
Human-Risk-Rangliste Gesamtscore und Verteilung bleiben, Namensliste entfällt
Management-Report Kennzahlen bleiben, Personenabschnitt entfällt
Benutzerentwicklung, Abteilungsvergleich, Nachweise (Business) personenbezogene Teile gesperrt, aggregierte Nachweise bleiben
Erfasste Formulareingaben (Business) gesperrt
Enterprise-Berichte je Person gesperrt

Gruppenauswertungen werden erst ab k Personen ausgegeben, Standard ist 5. Kleinere Gruppen werden nicht stillschweigend weggelassen, sondern ausdrücklich als unter Schwellenwert gekennzeichnet — sonst fiele im Audit niemandem auf, dass Zahlen fehlen.

Gezählt werden Personen, nicht Ereignisse. Wer zwanzigmal klickt, bleibt eine Person und hebt die Schwelle nicht auf.

Betroffen sind Aufschlüsselungen nach Browser, Betriebssystem, Gerät, Land, Sprache, Auflösung und UTM-Quelle sowie Abteilungsvergleich, Trendanalyse und Kampagnenvergleich. Eine Kampagne mit weniger als k Empfängern ist faktisch eine Einzelauswertung: bei drei Adressaten verrät eine Klickrate von 33 Prozent, wer geklickt hat.

Rolle Darf Darf nicht
Administrator Kampagnen einrichten, aggregiert auswerten, Freigaben beantragen Einzelpersonen auswerten, eigene Anträge freigeben
Datenschutzbeauftragter Freigaben erteilen und widerrufen, Policy und Audit-Log einsehen auswerten, Einstellungen ändern
Benutzer administrative Funktionen

Die Rolle Datenschutzbeauftragter wird in der Benutzerverwaltung vergeben. Sie ist eine Kontroll-, keine Auswerterrolle: in der Oberfläche sieht sie nur Datenschutzeinstellungen, die Preflight-Regeln und das Audit-Log.

Die Rolle kann zusätzlich die Zweitfreigabe für Kampagnen hoher Risikoklasse erteilen — Köder mit Gehalts-, Kündigungs- oder Gesundheitsbezug. Damit liegt die Entscheidung über besonders belastende Simulationen bei der Betriebsratsrolle statt beim Betrieb. Eingestellt wird das unter Kampagnen-Preflight.

Für begründete Einzelfälle — etwa einen tatsächlichen Angriff — lässt sich die Sperre befristet aufheben.

flowchart TD
    A[Admin stellt Antrag<br>mit Begründung] --> B{Datenschutz-<br>beauftragter}
    B -->|freigegeben| C[Zugriff nur für<br>den Antragsteller]
    B -->|abgelehnt| G[Sperre bleibt]
    C --> D[Frist läuft ab]
    C --> E[Widerruf]
    D --> G
    E --> G

Vier Eigenschaften halten die Ausnahme eng:

  • Getrennte Personen. Entscheiden darf ausschließlich der Datenschutzbeauftragte. Ein eigener Antrag lässt sich nicht selbst freigeben — verhindert über die Rollenprüfung, eine zusätzliche Prüfung in der Anwendung und eine Bedingung in der Datenbank.
  • Persönlich. Die Freigabe gilt dem Antragsteller, nicht der Rolle. Ein zweiter Administrator sieht weiterhin nichts.
  • Befristet. Standard 24 Stunden, maximal 7 Tage. Danach greift die Sperre automatisch wieder; dafür läuft kein Hintergrundjob, der Zustand ergibt sich aus der Zeit.
  • Wahlweise eng im Umfang. Eine Freigabe kann auf eine Kampagne begrenzt werden. Kampagnenübergreifende Ansichten brauchen dann weiterhin eine globale Freigabe.

Widerrufen können der Datenschutzbeauftragte und der Antragsteller selbst, mit sofortiger Wirkung. Beantragt und entschieden wird unter Einstellungen → Datenschutz, Abschnitt Freigaben.

Standardmäßig ist keine Frist gesetzt — es wird nichts automatisch gelöscht. Die Einstellungsseite sagt das ausdrücklich, damit niemand eine Löschung annimmt, die gar nicht stattfindet.

Mit gesetzter Frist prüft die Anwendung stündlich, welche abgeschlossenen oder abgebrochenen Kampagnen älter sind, und anonymisiert sie unwiderruflich.

Entfernt E-Mail und Name des Empfängers, IP-Adresse, Fingerabdruck, Referrer, User-Agent, Bildschirmauflösung, Spracheinstellung
Erhalten Browser, Betriebssystem, Gerätetyp, Land, UTM-Parameter, Ereignistypen, Zeitstempel

Der Grund für die Trennung: Würde man die Ereigniszeilen löschen, verschwänden mit den Namen auch sämtliche Kampagnenkennzahlen — und damit der Awareness-Nachweis nach NIS2. So bleibt nachweisbar, wie viele Beschäftigte reagiert haben, aber nicht mehr, wer.

Die Ersatzadresse ist ein Zufallswert unter anonymisiert.invalid, bewusst kein Hash der Originaladresse: ein Hash ließe sich mit einer Adressliste zurückrechnen und wäre keine Anonymisierung.

Laufende Kampagnen werden nie angefasst. Jeder Lauf steht im Audit-Log; die Einstellungsseite zeigt den letzten Lauf und eine Vorschau der aktuell fälligen Empfänger.

Die Erfassung eines technischen Browser-Fingerabdrucks ist standardmäßig aus und nur nach ausdrücklicher Admin-Entscheidung aktivierbar — im mitbestimmten Betrieb und nach § 25 TDDDG ist sie heikel.

Ist sie aus, wird die Berechnung gar nicht erst in die Landing Page eingespielt; zusätzlich verwirft der Server einen dennoch übermittelten Wert. Auch bei aktivierter Erfassung ist der Fingerabdruck nie Bestandteil personenbezogener Berichte.

  • Anträge, Freigaben, Ablehnungen und Widerrufe — jeweils mit Begründung
  • Änderungen der Datenschutzeinstellungen als konkrete Änderung („Aufbewahrungsfrist aus → 180 Tage”) statt als pauschaler Eintrag
  • Jeden Lauf der automatischen Anonymisierung mit Anzahl der betroffenen Empfänger
  • Änderungen an Benutzerkonten und Rollen

Lesbar für Administratoren und den Datenschutzbeauftragten — eine Kontrollrolle ohne Einsicht ins Protokoll wäre wertlos.

Im Repository liegen im Ordner compliance/ vier Vorlagen, jeweils DE und EN:

  • Muster-Betriebsvereinbarung — vierzehn Paragraphen vom Ausschluss der Leistungskontrolle über das Vier-Augen-Verfahren und die Massen-Quarantäne bis zur Löschregel
  • Datenschutz-Kurzdarstellung — Information der Beschäftigten nach Art. 13 DSGVO in einfacher Sprache

Beide beschreiben genau das, was die Software durchsetzt, und enthalten Platzhalter für die Werte der eigenen Instanz. Sie sind kein Rechtsrat und vor Abschluss arbeitsrechtlich zu prüfen.

  1. Rolle Datenschutzbeauftragter vergeben — ohne sie kann später niemand Freigaben erteilen.
  2. Modus aktivieren und Schwellenwert festlegen.
  3. Aufbewahrungsfrist setzen; die Vorschau zeigt vorher, wie viele Empfänger der erste Lauf anfasst.
  4. Vorlagen ausfüllen und mit der Interessenvertretung abstimmen.
  5. Beschäftigte allgemein informieren — der Zeitpunkt einzelner Simulationen wird nicht angekündigt, sonst ist die Messung wertlos.

SentryMail ist eine eingetragene Marke der SecureBits Cyber Security UG