Meldung und Analyse verdächtiger Mails
Beschäftigte melden eine verdächtige Mail, SentryMail wertet sie automatisch aus und fasst gleichartige Meldungen zu Wellen zusammen. Damit wird das Produkt vom Awareness-Werkzeug zum Zulieferer für die Vorfallsbehandlung nach NIS2 Art. 21 Abs. 2 lit. b.
| Baustein | Edition |
|---|---|
| Meldeweg (Eingang, Speicherung, Deduplizierung) | Business |
| Automatische Analyse, Wellen, Anhang-Prüfung | Enterprise |
Meldeweg
Abschnitt betitelt „Meldeweg“Es gibt zwei Wege in dieselbe Ablage:
- Mail-Report-Button im Mailprogramm — der Weg für Beschäftigte. Ein Klick, fertig.
.eml-Upload unter Gemeldete Mails — für angemeldete Benutzer, etwa wenn eine Meldung per Umweg ankommt.
Nur die Quelle unterscheidet sich, nicht das Datenmodell.
Der Button meldet ohne Konto
Abschnitt betitelt „Der Button meldet ohne Konto“Die meldenden Beschäftigten haben in aller Regel kein SentryMail-Konto — sie sind Empfänger, keine Benutzer. Ein Login im Add-in würde für jeden Melder ein Konto voraussetzen, das es nicht gibt, und niemand meldet, wenn er sich dafür erst anmelden muss.
Deshalb authentifiziert sich die Instanz über ein Melde-Token, nicht der Mensch über ein Passwort. Eingerichtet wird das unter Einstellungen → Mail-Report-Button. Das Token liegt damit auf jedem Arbeitsplatz — das ist beim kontenlosen Meldeweg unvermeidlich und wird an drei Stellen eingegrenzt:
| Grenze | Wirkung |
|---|---|
| Meldeweg abschaltbar | Ohne Aktivierung ist der Weg zu, auch wenn ein Token hinterlegt ist |
| Erlaubte Absenderdomains | Ein abhandengekommenes Token kann Meldungen keinen fremden Adressen zuschreiben |
| Meldungen je Person und Stunde | Ein abhandengekommenes Token kann die Ablage nicht volllaufen lassen |
Ein neues Token macht das alte sofort wertlos. Ob die Kette steht, zeigt das Feld Letzte Meldung auf derselben Seite — beim Einrichten die einzige verlässliche Rückmeldung.
Drei Clients
Abschnitt betitelt „Drei Clients“| Client | Zertifikat | Voraussetzung |
|---|---|---|
| Thunderbird (MailExtension) | keines | — |
| Outlook (Office-Web-Add-in) | keines | Exchange oder Microsoft 365 |
| Outlook (VSTO) | Codesigning, zum Testen selbstsigniert | reine IMAP-/POP-Konten |
Für Outlook ist das Web-Add-in der Standardweg: SentryMail liefert das fertige Manifest mit eingetragener Adresse und Token selbst aus, verteilt wird es über das Microsoft 365 Admin Center bzw. die Exchange-Verwaltung. Das VSTO-Add-in ist der Ausweichweg für Postfächer ohne Exchange, wo Web-Add-ins nicht laufen — nur dieses eine braucht ein Zertifikat.
Thunderbird braucht kein Zertifikat: Eine MailExtension ist ein XPI, und für die Verteilung gibt es die Signatur über addons.thunderbird.net (kostenlos), das Ausrollen per policies.json oder die abschaltbare Signaturpflicht.
Die gemeldete Nachricht bleibt im Postfach stehen. Sie beim Melden zu löschen wäre bevormundend und unnötig: Bestätigt sich der Angriff, holt die Massen-Quarantäne sie ohnehin aus allen Postfächern — und nicht nur bei der Person, die aufgepasst hat.
Was gespeichert wird
Abschnitt betitelt „Was gespeichert wird“Die Originaldatei bleibt gespeichert. Eine Analyse, die nur abgeleitete Felder kennt, ließe sich später nicht mit besseren Regeln wiederholen, und für die Vorfallsbehandlung ist das Original der eigentliche Beleg.
Eine Ausnahme beim VSTO-Add-in: Outlook bewahrt bei IMAP- und POP-Konten das eingegangene MIME nicht byteweise auf. Dort wird die
.emlaus dem vollständigen Original-Kopfzeilenblock plus Inhalt und Anhängen zusammengesetzt. Die Bewertung stützt sich fast vollständig auf die Kopfzeilen, und die bleiben unverändert — byteidentisch ist es aber nicht. Über Exchange (Web-Add-in) und in Thunderbird schon.
Mehrfachmeldungen zählen hoch, statt Duplikate anzulegen. Erkannt wird das über den SHA-256 der Rohbytes. Eine Welle wird typischerweise von vielen gleichzeitig gemeldet; die Meldungszahl ist das erste grobe Signal für ihren Umfang.
Melden dürfen alle Rollen — sonst meldet niemand.
Verhältnis zum Datenschutzmodus: Die Sperre für Einzelpersonen-Auswertungen greift hier bewusst nicht. Sie schützt vor der Auswertung des Verhaltens Beschäftigter in Awareness-Simulationen; eine gemeldete Phishing-Mail ist Vorfallsbehandlung und damit ein anderer Zweck. Wer gemeldet hat, wird gespeichert — ohne diese Zuordnung ließe sich weder nachfragen noch die meldende Person informieren. Siehe Datenschutz & Mitbestimmung.
Automatische Analyse
Abschnitt betitelt „Automatische Analyse“Jede Meldung wird beim Eingang ausgewertet. Aufklappen der Zeile zeigt das Ergebnis.
Authentifizierung
Abschnitt betitelt „Authentifizierung“SPF, DKIM und DMARC werden aus dem Authentication-Results-Header des empfangenden Servers gelesen — keine eigene Prüfung: die müsste den DNS-Zustand zum Empfangszeitpunkt kennen und wäre nachträglich weder zuverlässig noch aussagekräftig.
Fehlt der Header, steht dort „nicht angegeben” und nicht „bestanden”. Der Unterschied zwischen geprüft und bestanden und nicht prüfbar entscheidet bei der Triage.
Absender-Ungereimtheiten
Abschnitt betitelt „Absender-Ungereimtheiten“| Befund | Bedeutung |
|---|---|
display_name_spoofing |
Der Anzeigename nennt eine andere Adresse als der tatsächliche Absender — der häufigste Trick |
reply_to_mismatch |
Eine Antwort ginge an eine fremde Domain |
return_path_mismatch |
Der Rückweg weicht vom Absender ab |
Adressen
Abschnitt betitelt „Adressen“Enthaltene URLs werden entschärft gespeichert und angezeigt (hxxp://, [.]) und nirgends verlinkt. Beim Sichten einer Phishing-Mail soll niemand mit einem Fehlklick auf der Angreiferseite landen — und kein Mailclient oder Ticketsystem soll die Adresse in einen Link verwandeln.
Anhänge
Abschnitt betitelt „Anhänge“Erfasst werden Name, Typ, Größe und SHA-256. Ausführbare Endungen (.exe, .js, .hta, .lnk …) erreichen allein die Stufe hoch: Die Mail wurde bereits von einem Menschen als verdächtig gemeldet, und ein legitimer ausführbarer Anhang ist die seltene Ausnahme. Archive wiegen schwächer, weil sie oft harmlos sind.
Bewertung
Abschnitt betitelt „Bewertung“Der Score ist regelbasiert und erklärbar. Jeder Befund liefert seine Regel, sein Gewicht und eine Begründung mit — wer die Bewertung anzweifelt, sieht sofort, woher sie kommt. Ein Blackbox-Score wäre für die Vorfallsbehandlung wertlos.
Meldungen mit gleichem normalisiertem Betreff und gleicher Absenderdomain bilden eine Welle. Antwort- und Weiterleitungspräfixe (AW:, Re:, Fwd:) werden dabei entfernt, damit sie dieselbe Welle nicht auseinanderreißen.
Bewusst nicht die vollständige Absenderadresse: Angreifer variieren den lokalen Teil (no-reply, service, info) bei identischer Welle. Und bewusst nicht der Inhalt — schon ein personalisierter Anrede-Name macht jede Mail einzigartig, womit das Clustering nichts mehr zusammenfassen würde.
Die Liste steht oben auf der Seite Gemeldete Mails, sortiert nach Zahl der Meldungen: Was am breitesten gestreut wurde, steht oben.
Anhang-Prüfung mit ClamAV
Abschnitt betitelt „Anhang-Prüfung mit ClamAV“Optional und selbst gehostet. Unter Einstellungen → Anhang-Prüfung wird ein ClamAV im eigenen Netz eingetragen (Standardport 3310). Anhänge verlassen die Instanz nicht — es gibt bewusst keine Cloud-Abfrage.
Beispiel für den Compose-Stack:
ClamAV liegt als Compose-Profil bei und ist damit im Auslieferungszustand aus:
docker compose --profile scanning up -dDanach unter Einstellungen → Anhang-Prüfung Host clamav, Port 3310 eintragen.
Warum nicht immer an:
clamdhält die Signaturdatenbank vollständig im Speicher — real 1,5 bis 2 GB. Immer mitzulaufen würde die Mindestanforderung jeder Installation anheben, auch der vielen, die nie eine Mail melden.
In Installationen ohne Internet kommt freshclam nicht an die Signaturen, und die Datenbank veraltet still. Dort entweder einen internen Spiegel einbinden oder die Prüfung ausgeschaltet lassen — eine veraltete Signaturdatenbank ist schlimmer als keine, weil sie Sicherheit vortäuscht.
Ist der Scanner nicht erreichbar, gelten Anhänge als „nicht geprüft” — niemals als sauber. Eine falsche Entwarnung wäre die gefährlichste Meldung, die dieses Modul erzeugen könnte.
Die Schaltfläche Verbindung prüfen schickt das EICAR-Testmuster. Erst wenn der Scanner den Testfund meldet, ist die Kette nachweislich in Ordnung — eine bloße TCP-Verbindung würde das nicht belegen.
Ein Fund wiegt 100 Punkte und hebt die Meldung sofort auf hoch.
Anhang-Prüfung mit YARA
Abschnitt betitelt „Anhang-Prüfung mit YARA“Ein zweiter, unabhängiger Prüfer neben ClamAV. Beide laufen nebeneinander und liefern getrennte Aussagen: ClamAV erkennt bekannte Schadsoftware anhand von Signaturen, YARA erkennt Muster, die der Betreiber selbst beschreibt — etwa Makros mit bestimmten Aufrufen oder Kennzeichen einer Kampagne, die gerade im eigenen Haus läuft.
Die Regeln bringt der Betreiber mit
Abschnitt betitelt „Die Regeln bringt der Betreiber mit“Das Regelverzeichnis ist im Auslieferungszustand leer, und das ist Absicht. Ein Regelsatz ist eine inhaltliche Aussage darüber, was als verdächtig gilt; ihn mitzuliefern hieße, diese Aussage für jeden Betreiber zu treffen.
Dazu kommt die Lizenzlage: Die verbreitetste freie Sammlung (signature-base von Florian Roth) steht unter CC BY-NC und darf in einem kostenpflichtigen Produkt nicht mitgeliefert werden. Andere Sammlungen mischen Lizenzen. Wer Regeln einbindet, soll das bewusst und mit Blick auf deren Lizenz tun.
Einrichten
Abschnitt betitelt „Einrichten“Regeldateien (.yar, .yara) in ein Verzeichnis legen und in den Backend-Container einhängen:
services: backend: environment: ENTERPRISE_YARA_RULES_DIR: /rules volumes: - ./yara-rules:/rules:roUnterverzeichnisse werden mitgelesen. Änderungen greifen ohne Neustart — die Regeln werden neu übersetzt, sobald sich im Verzeichnis etwas ändert.
Verhalten im Fehlerfall
Abschnitt betitelt „Verhalten im Fehlerfall“| Lage | Ergebnis |
|---|---|
| Kein Regelverzeichnis oder leer | „nicht geprüft” — nicht „sauber” |
| Einzelne Regeldatei fehlerhaft | Die übrigen Regeln laufen weiter; der Fehler wird benannt |
| Alle Regeln fehlerhaft | „nicht geprüft” |
| Treffer | Befund mit 70 Punkten, hebt die Meldung auf hoch |
Eine einzelne kaputte Regel kippt nicht den ganzen Satz — sonst sucht der Betreiber im Dunkeln. Ein Treffer wiegt weniger als ein ClamAV-Fund (100 Punkte): Die Regel stammt aus dem eigenen Haus und kann breiter gefasst sein als eine Virensignatur.
MISP-Anreicherung
Abschnitt betitelt „MISP-Anreicherung“Vollständig optional. Wer keine MISP-Instanz betreibt, verliert nur diesen Abschnitt — alles Übrige funktioniert unverändert. Es gibt keinen Ersatzdienst in der Cloud und keinen Pflicht-Abgleich.
Unter Einstellungen → MISP werden URL und ein API-Schlüssel mit Leserechten der eigenen Instanz eingetragen. Abgefragt werden die Indikatoren, die eine Meldung hergibt: die SHA-256 der Anhänge, die enthaltenen Adressen (im Original, nicht entschärft) und die Absenderdomain.
Abgefragt wird ausschließlich die eingetragene, selbst betriebene Instanz. Ob diese externe Feeds einbindet, entscheidet ihr Betreiber. SentryMail fragt von sich aus nie einen fremden Dienst — eine Pflicht-Cloud-Abfrage würde den Self-Hosting-Anspruch aushebeln.
Ein Treffer wiegt 70 Punkte: Die Indikatoren stammen aus Vorfällen, die die Organisation selbst gepflegt hat, und sind damit belastbarer als jede Heuristik.
Ist die Instanz nicht erreichbar, steht dort „Abgleich nicht möglich” — nicht „nichts bekannt”. Dieselbe Regel wie bei der Anhang-Prüfung: Ein ausgefallener Abgleich darf nie wie ein geprüftes Ergebnis aussehen.
Massen-Quarantäne
Abschnitt betitelt „Massen-Quarantäne“Ist eine Welle bestätigt, hilft die beste Analyse nichts, solange die Mail in hunderten Postfächern liegt. Die Massen-Quarantäne holt sie dort heraus — verschoben in einen Quarantäne-Ordner, nie gelöscht. Ein Fehlgriff bleibt damit korrigierbar; die Nachricht liegt weiter im Postfach der betroffenen Person, nur nicht mehr im Posteingang.
Unterstützt werden beide verbreiteten Umgebungen: Microsoft 365 über die Graph API und Postfix/Dovecot über die doveadm-HTTP-API. Eingerichtet wird eines davon unter Einstellungen → Quarantäne; ohne Auswahl greift SentryMail auf kein Postfach zu.
Gesucht wird nur nach der Message-ID
Abschnitt betitelt „Gesucht wird nur nach der Message-ID“Der Betreff einer Welle taucht auch in legitimen Antworten und Weiterleitungen darauf auf — eine Suche danach würde fremde Post mit einsammeln. Gesucht wird deshalb ausschließlich nach der Message-ID der gemeldeten Nachricht. Meldungen ohne Message-ID lassen sich nicht quarantänisieren; das ist die gewollte Konsequenz.
Der Probelauf ist Pflicht
Abschnitt betitelt „Der Probelauf ist Pflicht“Der Ablauf ist zweistufig und lässt sich nicht abkürzen:
- Probelauf — sucht die Nachricht in allen Postfächern und zeigt, wo sie liegt. Es wird nichts verändert. Das Ergebnis wird als Datensatz gespeichert.
- Ausführung — bezieht sich auf genau diesen gespeicherten Lauf und verschiebt die gefundenen Nachrichten.
Ohne gespeicherten Probelauf gibt es nichts auszuführen; die Ausführung eines bereits ausgeführten Laufs wird abgelehnt. Das ist keine Bildschirmwarnung, die sich wegklicken lässt, sondern die Struktur der Schnittstelle.
Ein gesperrtes Postfach bricht den Lauf nicht ab. Bei tausend Postfächern ist immer eines nicht erreichbar. Ein Abbruch würde die übrigen Funde stehen lassen — der Fehler wird deshalb je Postfach vermerkt und der Lauf fortgesetzt.
Berechtigungen
Abschnitt betitelt „Berechtigungen“| Umgebung | Was gebraucht wird |
|---|---|
| Microsoft 365 | App-Registrierung mit der Anwendungsberechtigung Mail.ReadWrite |
| Postfix/Dovecot | doveadm-HTTP-API mit einem Konto, das doveadm move ausführen darf |
Bei Microsoft 365 gilt diese Berechtigung zunächst für alle Postfächer. Sie sollte über eine Anwendungszugriffsrichtlinie auf den nötigen Umfang begrenzt werden.
Mitbestimmung
Abschnitt betitelt „Mitbestimmung“Der Zugriff auf fremde Postfächer ist der weitreichendste Eingriff des Produkts. Er gehört vor der Inbetriebnahme mit der Interessenvertretung abgestimmt — die Vorlage unter compliance/ benennt ihn ausdrücklich. Jeder Probelauf und jede Ausführung landet mit Anzahl, Betreff und auslösender Person im Audit-Log; die Läufe selbst bleiben als Beleg erhalten.
Noch nicht enthalten
Abschnitt betitelt „Noch nicht enthalten“- VSTO-Add-in für Outlook ohne Exchange — Quelltext liegt vor, ist aber noch nicht unter Windows kompiliert und getestet. Es ist der einzige Client, der ein Codesigning-Zertifikat braucht.
Siehe auch: Datenschutz & Mitbestimmung · Funktionen · Compliance-Einordnung
SentryMail ist eine eingetragene Marke der SecureBits Cyber Security UG